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Randomisierte kontrollierte Studien zur Homöopathie: eine Untersuchung der Datenlage

Worum geht es bei diesem Projekt?

Mit diesem groß angelegten Arbeitsprogramm, das in erheblichem Maße von der Manchester Homeopathic Clinic gefördert wird, soll die Forschungsevidenz in der Homöopathie präzisiert werden, die aus veröffentlichten randomisierten kontrollierten Studien randomized controlled trials (RCTs)) vorliegt. Das Programm zielt darauf ab, die Studienqualität und die in RCTs mit Peer-Review beschriebene Größenordnung des Behandlungseffekts zu ermitteln. Zu diesem Zweck setzt es systematische Reviews und Metaanalysen ein, die als solide Verfahren gelten.

Besonders wichtig ist, dass dieses Review-Programm die wesentlichen Unterschiede widerspiegelt zwischen:

  • placebo-kontrollierten und anderweitig kontrollierten Studien,
  • individualisierten und nicht-individualisierten homöopathischen Behandlungen sowie
  • Behandlung und Prävention

Die Ergebnisse des Review-Programms

Phase 1: Placebo-kontrollierte RCTs individualisierter homöopathischer Behandlungen (Studienprotokoll (auf Englisch)). Der Schwerpunkt dieser Studien liegt auf der „klassischen“ Homöopathie, zu der die eingehende Konsultation und eine individualisierte Verschreibung für jeden Patienten gehört: Für den Review wurden  RCTs als geeignet eingestuft. Die Ergebnisse wurde im Dezember 2014 in der Fachzeitschrift Systematic Reviews veröffentlicht. Die statistische Analyse ergab, dass die Wirkung individuell verschriebener homöopathischer Arzneimittel signifkant höher ist als die Wirkung von Placebos.

Phase 2: Placebo-kontrollierte RCTs nicht-individualisierter homöopathischer Behandlungen (Studienprotokoll (auf Englisch)). In jeder dieser Studien wurde ein homöopathisches Arzneimittel untersucht, das zu den jeweils typischen Symptomen einer bestimmten Erkrankung passte: Für den Review wurden . Die Ergebnisse wurde im März 2017 in der Fachzeitschrift Systematic Reviews veröffentlicht.

Die ursprüngliche Literaturrecherche für das Review-Programm umfasste alle RCT-Beiträge, die bis einschließlich 2011 veröffentlicht wurden. Jede neue systematische Übersichtsarbeit erfordert aber zwingend eine aktualisierte Recherche. In dem für Phase 2 relevanten Sondierungsdiagramm der ein- und ausgeschlossenen RCT-Beiträge wird die ursprüngliche Recherche auf einen Stand von Ende 2014 gebracht. Entsprechende ausführliche Listen mit den RCT-Beiträgen, die potenziell für eine systematische Übersichtsarbeit geeignet sind, bzw. mit RCT-Beiträgen, die für eine weitere Analyse abgelehnt wurden, liegen vor.

Phase 3: Anderweitig kontrollierte Studien individualisierter homöopathischer Behandlungen (Studienprotokoll). In dem für Phase 3 relevanten Sondierungsdiagramm der ein- und ausgeschlossenen RCT-Beiträge wird die ursprüngliche Recherche auf einen Stand von Ende 2015 gebracht. Entsprechende ausführliche Listen zu potenziell geeigneten RCT-Beiträgen sowie zu abgelehnten RCT-Beiträgen liegen vor.

Phase 4: Anderweitig kontrollierte Studien nicht-individualisierter homöopathischer Behandlungen (Studienprotokoll (auf Englisch)). . In dem für Phase 4 relevanten Sondierungsdiagramm der ein- und ausgeschlossenen RCT-Beiträge wird die ursprüngliche Recherche auf einen Stand von Ende 2016 gebracht. Entsprechende ausführliche Listen zu potenziell geeigneten RCT-Beiträgen sowie zu abgelehnten RCT-Beiträgen liegen vor.

Die Forscher

Dr. Robert Mathie erwarb an der University of Glasgow zunächst einen Bacherlor of Science (BSc) und im Anschluss einen PhD in Physiologie. Er war 25 Jahre lang im Hochschulbereich tätig und veröffentlichte in dieser Zeit 100 Artikel in Peer-Review-Fachzeitschriften und Buchkapitel, die überwiegend die Regulation des Blutkreislaufs zum Thema hatten. Danach war er 15 Jahre lang als Berater für die Forschungsentwicklung bei der British Homeopathic Association tätig, wo er mit den Ärzten, Zahnärzten und Veterinären der Fakultät für Homöopathie Projekte zur Erhebung klinischer Daten leitete. In einer Schlüsselinitiative zur Ermittlung fundierter Nachweise in Bezug auf die Homöopathie hat Robert Mathie in jüngster Zeit seine Arbeit durch ein breit angelegtes Programm systematischer Übersichtsarbeiten zu randomisierten kontrollierten Studien auf die Überprüfung und Präzisierung der Forschungsliteratur ausgeweitet. Bisher hat er insgesamt mehr als 30 Forschungspublikationen im Bereich der Homöopathie veröffentlicht. Seit März 2016 ist er als unabhängiger wissenschaftlicher Referent tätig.

Warum ist dieses Projekt wichtig?

ist möglicherweise schwierig, erhalten haben, die Wirkung individualisierter homöopathischer Arzneimittel ohne Weiteres zu beobachten. Unsere Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass individuell verschriebene homöopathische Arzneimittel – wenigstens bei den Erkrankungen, die in die Metaanalyse eingeschlossen wurden – zumindest eine geringe spezifische Wirkung haben.

Das Studienmaterial der RCTs war generell von niedriger Qualität oder nicht eindeutig: Nur drei der Studien in diesem systematischen Review beinhalteten laut Bewertung „zuverlässige Nachweise“ (Bell et al. 2004; Jacobs et al. 1994; Jacobs et al. 2001). Gleichwohl wiesen diese drei qualitativ hochwertigen Studien insgesamt sowohl einen signifikanten Behandlungseffekt als auch eine hohe „Modellgültigkeit“ auf (d. h., bezogen den Einsatz fundierter Homöopathie mit ein).

Der begrenzte Umfang an qualitativ sehr hochwertigen Daten deutet darauf hin, dass bei der Interpretation der Review-Ergebnisse Vorsicht geboten ist und ganz offensichtlich Bedarf für neue, qualitativ hochwertigere Forschung in Form von RCTs besteht.

Publikationen im Rahmen dieses Projekts

Systematic Review and Meta-Analysis of Randomised, Other-than-Placebo Controlled, Trials of Individualised Homeopathic Treatment.
Mathie RT,  Ulbrich-Zürni S, Viksveen P, Roberts ER, Baitson ES, Legg LA, Davidson JRT.
Homeopathy, 2018; 107(4): 229-243 [Full text]

Randomised, double-blind, placebo-controlled trials of non-individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis.
Mathie RT, Ramparsad N, Legg LA, Clausen J, Moss S, Davidson JRT, Messow C-M, McConnachie A.
Systematic Reviews 2017; 6: 63 [Full text]

Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis.
Mathie RT, Lloyd SM, Legg LA, Clausen J, Davidson JRT, Moss S, Ford I. Systematic Reviews 2014; 3: 142 [Full text]

Randomised controlled trials of homeopathy in humans: characterising the research journal literature for systematic review.
Mathie RT, Hacke D, Clausen J, Nicolai T, Riley DS, Fisher P.
Homeopathy 2013; 102: 3-24 [Abstract]

Publikation von Dr. Robert MathieWeniger

Mathie RT, Roniger H, Van Wassenhoven M, Frye J, Jacobs J, Oberbaum M, Bordet M-F, Nayak C, Chaufferin G, Ives JA, Dantas F, Fisher P. Method for appraising model validity of randomised controlled trials of homeopathic treatment: multi-rater concordance study. BMC Med Res Methodol 2012; 12: 49 [Full text]

Mathie RT, Van Wassenhoven M, Jacobs J, Oberbaum M, Roniger H, Frye J, Manchanda RK, Terzan L, Chaufferin G, Dantas F, Fisher P.
Model validity of randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment. Homeopathy 2015; 104: 164-169. [Abstract]

Mathie RT, Van Wassenhoven M, Jacobs J, Oberbaum M, Frye J, Manchanda RK, Roniger H, Dantas F, Legg LA, Clausen J, Moss S, Davidson JRT, Lloyd SM, Ford I, Fisher P. Model validity and risk of bias in randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment. Complement Ther Med 2016; 25: 120-125. [Abstract]

ReferencesWeniger

Bell I, Lewis D, Brooks A, Schwartz G, Lewis S, Walsh B, Baldwin C. Improved clinical status in fibromyalgia patients treated with individualized homeopathic remedies versus placebo. Rheumatology 2004; 43: 577-582. [Abstract]

Jacobs J, Jimenez LM, Gloyds SS, Gale JL, Crothers D. Treatment of acute childhood diarrhea with homeopathic medicine; a randomized clinical trial in Nicaragua. Pediatrics 1994; 93: 719-725. [Abstract]

Jacobs J, Springer DA, Crothers D. Homeopathic treatment of acute otitis media in children: a preliminary randomized placebo-controlled trial. Pediatr Infect Dis J 2001; 20: 177-183. [Abstract]