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Der EASAC-Stellungnahme

Der European Academies Scientific Advisory Council (EASAC) veröffentlichte 2017 unter dem Titel „Homeopathic products and practices“ [Homöopathische Arzneimittel und ihre Anwendung]1 eine Online-Stellungnahme, um „die Kritik an gesundheitlichen und wissenschaftlichen Argumenten gegen homöopathische Produkte zu stärken“.

In dieser Stellungnahme wird behauptet, dass die klinischen Effekte der Homöopathie ausschließlich auf einen Placeboeffekt zurückzuführen seien, da homöopathische Arzneimittel keine biologische Wirkung hätten. Der EASAC schließt mit Empfehlungen für eine Regulierung der Homöopathie durch die Zulassungsbehörden der EU und setzt sich für „gleiche Wettbewerbsbedingungen“ und die Beteiligung der Öffentlichkeit an der Debatte ein.

Urheber der Stellungnahme war eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedern der European Academy of Sciences, die der Stellungnahme den Anschein wissenschaftlicher Autorität verleiht.

Der EASAC kündigte seine Stellungnahme in einer Pressemitteilung an, in der behauptet wurde, dass es sich um eine „neue Bewertung durch den EASAC“2 handele. Kurz darauf folgte ein Kommentar im angesehenen Journal of Internal Medicine (JIM).3

Entgegen allem Anschein ist die EASAC-Stellungnahme jedoch unwissenschaftlich. Es wurde höchst selektiv zitiert und stellt die Evidenzbasis zur Homöopathie nicht korrekt dar. Daher erfüllt sie ihre Hauptaufgabe, Verbraucher und politische Entscheidungsträger der EU genau über die Nachweise für die Homöopathie zu informieren, nicht.

Vertreter des HRI und der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) trafen sich mit EASAC-Präsident Prof. Thierry Courvoisier, um Bedenken über die mangelnde Objektivität und mangelnde wissenschaftliche Strenge am Prozess zu bekunden, der zur Veröffentlichung der EASAC-Stellungnahme führte. Seine Antwort lautete: „Es war nie unsere Absicht, eine ausgewogene Stellungnahme zu schreiben…“ (25 April 2018).

In seiner offiziellen Antwort hebt der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) hervor, dass diese Stellungnahme von „einer Arbeitsgruppe aus 11 Wissenschaftlern die als Einzelpersonen handelten“, erstellt wurde. Daraus lässt sich eindeutig ableiten, dass der EASAC von sich aus entschieden hatte, diese Stellungnahme zu verfassen – und dass dies nicht im Auftrag der EU oder einem der EU-Mitgliedsstaaten geschah.

Die Hauptkritikpunkte an der EASAC-Stellungnahme

  • Die EASAC-Stellungnahme war nie als ausgewogene Erklärung über die Datenlage im Bereich Homöopathie gedacht (so der EASAC-Präsident im April 2018) – sie wurde ausgearbeitet, um „die Kritik an gesundheitlichen und wissenschaftlichen Argumenten gegen homöopathische Produkte zu stärken“.
  • Sie wurde von einer aus 11 Wissenschaftlern bestehenden Arbeitsgruppe verfasst, die „als Einzelpersonen handelten“ und offen erklärten, dass sie von der Annahme ausgehen würden, dass es sich bei homöopathischen Arzneimitteln um Placebos handele, weil sie keine biologische Wirkung haben könnten, und dass es keine stichhaltigen Forschungsarbeiten gebe, die ihre Verwendung unterstützten.4
  • Sie enthält überhaupt nichts Neues: Trotz einer Pressemitteilung, in der behauptet wurde, es handele sich um eine „neue Bewertung des EASAC“, waren sich die Autoren einig, dass sie keine neue Bewertung oder Analyse durchgeführt hatten.
  • Es handelt sich um eine unwissenschaftliche Zusammenstellung von weitgehend veralteten, herausgepickten negativen Studien sowie Webseiten, Blogs, Stellungnahmen, Kommentaren und Berichten der „grauen Literatur“.
  • Sie stellt außergewöhnliche und unbelegte Behauptungen auf und lässt komplette Bereiche der Evidenzbasis weg. So gibt der EASAC z. B. zwar an, dass Homöopathen „Arzneimittel empfehlen, von denen sie wissen, dass sie biologisch unwirksam sind1, führt aber KEINE der veröffentlichten Daten aus Experimenten auf, die biologische Wirkungen homöopathischer Medikamente zeigen, z. B. in Pflanzenmodellen und immortalisierten Zelllinien.
  • Es handelt sich um eine inkorrekte Darstellung der Evidenzbasis für die Homöopathie, aber eine nützliche Zusammenfassung von Argumenten, die von Interessenvertretern der Anti-Homöopathie-Bewegung verwendet werden.

Der kürzlich verstorbene Dr. Peter Fisher, ein führender Experte sowohl auf dem Gebiet der schulmedizinischen als auch der Homöopathieforschung, fasste die EASAC-Stellungnahme in seinem Leitartikel „Homeopathy and intellectual honesty“ (Homöopathie und intellektuelle Aufrichtigkeit prägnant zusammen:

„Homöopathische Arzneimittel und ihre Anwendung“ versucht nicht, eine transparente, objektive oder wissenschaftliche Sicht der Homöopathie zu vermitteln. Dies kommt einem Autoritätsmissbrauch durch die European Academies of Science gleich. Das Motto der britischen Royal Society, einem EASAC-Mitglied, lautet ‚Nullius in verba‘ und bedeutet ‚Nimm niemanden beim Wort‘. Die Leser der Stellungnahme sollten diesen Rat beherzigen.”

Gemäß seiner Webseite besteht die Aufgabe des EASAC darin, unabhängige wissenschaftsbasierte Empfehlungen zu liefern; aber im Hinblick auf die Homöopathie sollte ‘unabhängig’ nicht mit ‘objektiv’ verwechselt werden.

Detaillierte Informationen, einschließlich der Ergebnisse aus dem entsprechenden Dialog zwischen HRI und EASAC, finden sich in der Analyse des EASAC-Stellungnahme durch das HRI.

ReferenzenWeniger

  1. EASAC. ‘Homeopathic Products and Practices – Assessing the Evidence and Ensuring Consistency in Regulating Medical Claims in the EU’. 20 September 2017 [Volltext]
  2. EASAC. Homeopathy: harmful or helpful? European scientists recommend an evidence-based approach. Press release 20 September 2017. [Link]
  3. Fears R, et al. Assessing and regulating homeopathic products. Journal of Internal Medicine, 2017; 282:563-565
  4. Call for experts: EASAC working group homeopathy. 14 June 2016. [Link]
  5. Fisher P. Homeopathy and intellectual honesty. Homeopathy, 2017; 106:191-193 [Abstract]
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