„Die besten Studien beweisen, dass Homöopathie nicht wirkt“

Unter den „besten Studien“ versteht man üblicherweise allgemeine systematische Übersichtsarbeiten, die die Ergebnisse aller verfügbaren randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) zu einer konkreten Frage analysieren.

Im Bereich Homöopathie wurden 6 solche Studien durchgeführt:

  • Fünf waren positiv – diesen zufolge gibt es einen Nachweis für die Wirkung von Homöopathie jenseits eines Placebo-Effekts, jedoch ist weitere hochwertige Forschung notwendig, um endgültige Schlüsse zu ziehen.1,2,3,4,6

  • Eine war negativ – hiernach hat die Homöopathie keine über den Placebo-Effekt hinausreichende Wirkung.5

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Die Schlussfolgerungen der sechs systematischen Übersichtsarbeiten im Original

Kleijnen et al. 1991: „Aktuell fällt die wissenschaftliche Evidenz durch klinische Studien positiv aus, dennoch reicht diese für eine abschließende Einschätzung nicht aus, da die meisten Studien von minderer methodischer Qualität sind und die Rolle des sogenannten `publication bias` unbekannt ist. Dies weist nun darauf hin, dass weitere Forschung im Bereich Homöopathie absolut berechtigt ist, allerdings nur im Sinne sorgfältig konzipierter Studien.“1

Linde et al. 1997:„Die Ergebnisse unserer Metaanalyse widersprechen der Hypothese, dass die klinische Wirkung der Homöopathie ausschließlich auf einem Placebo-Effekt beruht. Allerdings haben wir nur unzureichende Belege in den Studien dafür gefunden, dass die Homöopathie bei jeder klinischen Erkrankung eindeutig wirksam ist.  Weitere Forschung auf dem Gebiet der Homöopathie ist gerechtfertigt, sofern diese gründlich und systematisch erfolgt.“2

Linde et al. 1999: „Wir kommen zu dem Schluss, dass es in den untersuchten Studien eine klare Evidenz dafür gibt, dass methodisch hochwertigere Studien tendenziell weniger positive Ergebnisse zeigen.“3

Cucherat et al. 2000: „Es gibt einige Nachweise dafür, dass homöopathische Behandlungen wirksamer als Placebo sind: andererseits ist die Beweiskraft dieser Nachweise wegen der geringen methodischen Qualität der Studien nur klein. Methodisch hochwertigere Studien fallen eher negativ aus, als die mit einer geringeren Qualität. Es sind weitere hochwertige Studien notwendig, um diese Ergebnisse zu bestätigen.“4

Shang et al. 2005: „`Biases` gibt es sowohl in Placebo-kontrollierten Studien zur Homöopathie als auch zur Schulmedizin. Unter Berücksichtigung dieser Verzerrungen in der Analyse der Daten ist die Evidenz für eine spezifische Wirkung homöopathischer Mittel schwach, im Falle schulmedizinischer Maßnahmen dagegen stichhaltig. Diese Erkenntnis stimmt mit der Ansicht überein, wonach die klinischen Wirkungen der Homöopathie Placebo-Effekte sind.“5

Mathie et al. 2014: „Die im Rahmen einer individualisierten homöopathischen Behandlung verordneten Mittel können kleine, spezifische Therapieeffekte aufweisen. Die Erkenntnisse stimmen mit Subgruppendaten überein, die aus einer früheren ‚globalen‘ systematischen Übersichtsarbeit zur Verfügung stehen. Die schlechte oder unklare allgemeine Qualität der Evidenz mahnt zur Vorsicht bei der Auslegung der Ergebnisse. Mehr qualitativ hochwertige RCT-Forschung ist notwendig, um eine klare Interpretation zu ermöglichen.“6

Die negative Studie – bekannt als „Lancet-Studie“ oder „Shang-Artikel“ veröffentlicht im Jahr 2005 – ist die einzige Studie weltweit, die je zu dem Schluss gekommen ist, dass Homöopathie nichts weiter als ein Placebo-Effekt ist.

Wenn nun behauptet wird: „Die besten Studien haben gezeigt, dass Homöopathie nicht besser als Placebo ist“, ist man sich in den seltensten Fällen bewusst, dass diese Meinung auf einem einzigen Artikel basiert, der
a) von fünf anderen Artikeln widerlegt wurde
b) wegen seiner gravierenden Mängel breite Kritik geerntet hat
c) heute nicht mehr aktuell ist und durch einen Artikel von Mathie et al. aus dem Jahr 2014 abgelöst wurde6

Letzte Ergebnisse von Mathie et al. 2014

Die neuste systematische Übersichtsarbeit hat, bei ausschließlicher Analyse der qualitativ hochwertigsten randomisierten kontrollierten Studien, gezeigt, dass individualisiert verordnete homöopathische Medikamente, eine im Vergleich zu Placebo 1,5- bis 2-fach höhere Wahrscheinlichkeit aufweisen, einen wirksamen Effekt zu zeigen.6

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Die irrtümliche Vorstellung, hochwertige Studien würden beweisen, dass Homöopathie nicht wirkt, scheint auf einer Fehlinterpretation von gezeigten Trends in zwei systematischen Übersichtsarbeiten (Linde 19972 und Shang 20055) zu beruhen, in denen hochwertige Studien herausgegriffen wurden.

Im Folgenden nun, was uns die Daten dieser Studien tatsächlich sagen:

„1997 erfassten Klaus Linde und Mitarbeiter 89 klinische Studien, die eine Odds Ratio  (=übergeordnetes Wahrscheinlichkeitsverhältnis) von 2,45 zugunsten der Homöopathie gegenüber Placebo aufwiesen. Hierbei war ein Trend zu verzeichnen, wonach Studien höchster Qualität einen geringeren Nutzen vorweisen. Nichtsdestotrotz zeigten die 10 Studien mit dem höchsten Jadad-Score nach wie vor, dass Homöopathie eine statistisch signifikante Wirkung aufweist.“ 7

Die Studie von Shang aus dem Jahr 2005 hatte das Ziel, die Qualität homöopathischer und schulmedizinischer Studien miteinander zu vergleichen, indem 110 vergleichbare Studien aus jeder der beiden Disziplinen analysiert wurden. 21 homöopathische und 9 schulmedizinische Studien wurden als „qualitativ hochwertig“ beurteilt. Shang´s Team entschied sich, nur 8 dieser hochwertigen Studien zu analysieren, die dann zu dem negativen Ergebnis führten, dass Homöopathie nicht besser als Placebo ist, wobei das Ergebnis bei einer Analyse aller 21 qualitativ hochwertigen Homöopathie-Studien positiv ausfällt, was darauf hindeutet, dass die Wirkung von Homöopathie über einen Placebo-Effekt hinausgeht.8 

Die Untersuchung von Mathie et al. umfasst 151 Placebo-kontrollierte randomisierte Studien – 41 mehr als Shang´s Team 2005 berücksichtigt hat, die deren Erfassungskriterien aber auch erfüllt hätten, wären sie damals verfügbar gewesen.

Dies zeigt das Ausmaß, inwieweit der 10 Jahre alte Artikel von Shang et al., der aktuell nur 73 % der in Frage kommenden Studien berücksichtigt, mittlerweile überholt ist.

Lesen Sie eine kurze Zusammenfassung des HRI zur Studie von Mathie et al. oder hören Sie sich Robert Mathie´s Ergebnispräsentation im Rahmen der HRI-Konferenz in Rom 2015 an.

Wenn es 5 positive und nur 1 negative Studie gibt, warum weigern sich einige immer noch, die wissenschaftliche Evidenz zu akzeptieren?

Die Frage scheint sich um die „Plausibilitätsverzerrung“ zu drehen; d. h. derjenige, der an dem früheren Glauben festhält, wonach Homöopathie nicht möglich ist, wird die Forschungsergebnisse anders sehen als diejenigen, die glauben, dass Homöopathie wirken kann bzw. tatsächlich wirkt.

Bereits 1991 bringen die Autoren der ersten dieser großen Studien dies in ihrem eigenen Artikel sehr deutlich zum Ausdruck:1

„Wir sind von der Menge an positiven Nachweisen, sogar unter den besten Studien, überrascht. Aufgrund der Datenlage wären wir bereit, zu akzeptieren, dass Homöopathie wirksam sein kann, wenn nur der Wirkmechanismus plausibler wäre.“

QuellenWeniger

1. Kleijnen J, Knipschild P, ter Riet G. Clinical trials of homeopathy. BMJ, 1991302: 960 | PubMed

2. Linde K, et al. Are the clinical effects of homeopathy placebo effects? A meta-analysis of placebo-controlled trials. Lancet, 1997; 350: 834–843 | PubMed

3. Linde K, et al. Impact of study quality on outcome in placebo-controlled trials of homeopathy. Clin Epidemiol, 1999; 52: 631–636 | PubMed

4. Cucherat M, Haugh M C, Gooch M, Boissel J P. Evidence of clinical efficacy of homeopathy. A meta-analysis of clinical trials. HMRAG. Homeopathic Medicines Research Advisory Group. J Clin Pharmacol, 2000; 56: 27–33 | PubMed

5. Shang A, Huwiler-Muntener K, Nartey L, et al. Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy. Lancet, 2005; 366: 726–32 | PubMed

6. Mathie RT et al. Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis. Systematic Reviews, 2014; 3: 142
 | Full text

7. Hahn RG. Homeopathy: Meta-Analyses of Pooled Clinical Data. Forsch Komplementmed, 2013;20:000–000 Published online: October 17, 2013 DOI: 10.1159/000355916 | PubMed

8. Lewith G, Professor of Health Research at Southampton University, Letter to the Editor, Positive Health, December 2008 | Full Text

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