{"id":40260,"date":"2026-01-09T13:50:38","date_gmt":"2026-01-09T13:50:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hri-research.org\/?p=40260"},"modified":"2026-01-09T13:50:38","modified_gmt":"2026-01-09T13:50:38","slug":"hri-stellungnahme-zum-rueckzug-der-studie-von-frass-et-al-2020-die-vorteile-einer-add-on-homoeopathie-fuer-krebspatienten-waehrend-konventioneller-krebstherapie-festgestellt-hatte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hri-research.org\/de\/2026\/01\/hri-stellungnahme-zum-rueckzug-der-studie-von-frass-et-al-2020-die-vorteile-einer-add-on-homoeopathie-fuer-krebspatienten-waehrend-konventioneller-krebstherapie-festgestellt-hatte\/","title":{"rendered":"HRI-Stellungnahme zum R\u00fcckzug der Studie von Frass et al. 2020, die Vorteile einer \u201eAdd-on\u201c-Hom\u00f6opathie f\u00fcr Krebspatienten w\u00e4hrend konventioneller Krebstherapie festgestellt hatte"},"content":{"rendered":"<p>Am 24. November wurde eine klinische Studie von <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/oncolo\/article\/25\/12\/e1930\/6444088\">Frass et al. 2020<\/a>\u00b9, vom Herausgeber der Fachzeitschrift zur\u00fcckgezogen. Die Studie untersuchte hom\u00f6opathische Behandlungen zus\u00e4tzlich zur \u00fcblichen onkologischen Versorgung bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom. Die Studie entspricht dem Goldstandard eines doppelblinden, placebokontrollierten Studiendesigns und kam zu dem Ergebnis, dass Patienten, die zu ihrer konventionellen Krebs-Therapie auch hom\u00f6opathisch behandelt wurden, im Vergleich zur Placebogruppe eine verbesserte Lebensqualit\u00e4t und eine verl\u00e4ngerte \u00dcberlebenszeit aufwiesen.<\/p>\n<p>Ungew\u00f6hnlicherweise wurden in der <a href=\"https:\/\/pmc.ncbi.nlm.nih.gov\/articles\/PMC12641399\/\">R\u00fcckzugserkl\u00e4rung<\/a>\u00b2 keine konkreten Gr\u00fcnde f\u00fcr den R\u00fcckzug genannt, au\u00dfer dass der Herausgeber nach anhaltender Kritik an der Studie seit 2021 das Vertrauen in die Studie verloren habe. Die Autoren haben jedoch die beiden Gr\u00fcnde offengelegt, die ihnen vom Herausgeber genannt wurden: a) Da in dieser Studie individualisierte Hom\u00f6opathie untersucht wurde, sei die Studie nicht reproduzierbar, und b) Professor Frass habe einen nicht offengelegten Interessenkonflikt, da er dieselben hom\u00f6opathischen Arzneimittel w\u00e4hrend der Studiendauer in seiner Privatpraxis \u201evermarktet\u201c und verschrieben habe.<\/p>\n<p>Keiner dieser Punkte ist stichhaltig. Individualisierte Hom\u00f6opathie, also die individuelle Auswahl hom\u00f6opathischer Arzneimittel f\u00fcr jeden Patienten entsprechend seinen spezifischen Symptomen, ist ein Ansatz, der bisher in 32 placebokontrollierten Studien untersucht <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/25480654\/\">wurde<\/a>\u00b3. In solchen Studien wird die Wirksamkeit der Methode getestet, nicht die Wirksamkeit der einzelnen verwendeten Arzneimittel, und diese Methode ist reproduzierbar.<\/p>\n<p>Ebenso liegt keinerlei Interessenkonflikt vor. Die verwendeten Arzneimittel sind in vielen L\u00e4ndern allgemein \u00fcber hom\u00f6opathische Apotheken erh\u00e4ltlich, und ihre Verschreibung in der t\u00e4glichen Praxis beinhaltet keinerlei Vermarktung bestimmter Produkte. Es bestand daher keinerlei M\u00f6glichkeit eines finanziellen Vorteils durch ihren Einsatz in dieser Studie.<\/p>\n<p>Diese R\u00fcckzugsentscheidung folgt auf eine langwierige Reihe von Anschuldigungen gegen die Studie von Prof. Frass, die von einer Anti-Hom\u00f6opathie-Kampagnengruppe angesto\u00dfen wurden (Einzelheiten siehe unten). Als Reaktion darauf ergriff die Fachzeitschrift <em>The Oncologist<\/em> geeignete Ma\u00dfnahmen ein und f\u00fchrte eine gr\u00fcndliche, zweij\u00e4hrige Untersuchung der Studie durch. Diese kam zu dem Schluss, dass alle vorgebrachten Kritikpunkte und Bedenken von den Autoren vollst\u00e4ndig ber\u00fccksichtigt und durch eine im September 2024 ver\u00f6ffentlichte Korrektur ausger\u00e4umt worden <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/oncolo\/article\/29\/11\/e1631\/7766098\">waren<\/a>\u2074.<\/p>\n<p>Da auch die beiden j\u00fcngsten zus\u00e4tzlichen Kritikpunkte ebenfalls von den Autoren beantwortet wurden, gibt es keine stichhaltigen wissenschaftlichen Gr\u00fcnde f\u00fcr einen R\u00fcckzug. Auch wenn man das Bestreben des Herausgebers verstehen kann, diese vier Jahre andauernde Angelegenheit zu beenden, stellt die Entfernung von Frass et al. 2020 aus der wissenschaftlichen Literatur auf diese Weise einen R\u00fcckschritt f\u00fcr die Wissenschaft und die evidenzbasierte Medizin dar.<\/p>\n<p><strong>Referenzen<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Frass M, Lechleitner P, Gr\u00fcndling C, et al. Homeopathic Treatment as an Add-On Therapy May Improve Quality of Life and Prolong Survival in Patients with Non-Small Cell Lung Cancer: A Prospective, Randomized, Placebo-Controlled, Double-Blind, Three-Arm, Multicenter Study. <em>The Oncologist<\/em>, 2020;25(12):e1930-e1955. <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/33010094\/\">PubMed<\/a><\/li>\n<li>Retraction of: Homeopathic Treatment as an Add-On Therapy May Improve Quality of Life and Prolong Survival in Patients with Non-Small Cell Lung Cancer: A Prospective, Randomized, Placebo-Controlled, Double-Blind, Three-Arm, Multicenter Study. <em>The Oncologist<\/em>, 2025;30(11):364 <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/41277743\/\">PubMed<\/a><\/li>\n<li>Mathie RT, Lloyd SM, Legg LA, et al. Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis. <em>Syst Rev,<\/em> 2014;3:142 <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/25480654\/\">PubMed<\/a><\/li>\n<li>Correction to: Homeopathic Treatment as an Add-On Therapy May Improve Quality of Life and Prolong Survival in Patients with Non-Small Cell Lung Cancer: A Prospective, Randomized, Placebo-Controlled, Double-Blind, Three-Arm, Multicenter Study. <em>The Oncologist<\/em>, 2024; 29(11):e1631 <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/39313219\/\">PubMed<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>WEITERE INFORMATIONEN<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 2021 reichte eine deutsche und \u00f6sterreichische Anti-Hom\u00f6opathie- Kampagnengruppe eine Beschwerde gegen die Studie von <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/33010094\/\">Frass et al. 2020<\/a> sowohl bei der Fachzeitschrift <em>The Oncologist<\/em> als auch bei der gastgebenden Institution von Professor Frass, der Medizinischen Universit\u00e4t Wien, ein. Letztere leitete die Beschwerde zur Stellungnahme an die \u00d6sterreichische Agentur f\u00fcr wissenschaftliche Integrit\u00e4t (\u00d6AWI) weiter.<\/p>\n<p>Im August 2022 ver\u00f6ffentlichte die \u00d6AWI eine abschlie\u00dfende Stellungnahme, in der sie behauptete, Beweise f\u00fcr wissenschaftliches Fehlverhalten gefunden zu haben, und feststellte, dass \u201emehrere der Ergebnisse nur durch Datenmanipulation oder F\u00e4lschung erkl\u00e4rt werden k\u00f6nnen\u201c. Dieser Bericht wurde dem Herausgeber von <em>The Oncologist <\/em>und anschlie\u00dfend den Autoren \u00fcbermittelt, mit der Aufforderung, die Studie zur\u00fcckzuziehen. Danach wurde der Fall von der \u00d6AWI &#8211; gem\u00e4\u00df ihrer Verfahren &#8211; ohne M\u00f6glichkeit einer Berufung, abgeschlossen.<\/p>\n<p>Besonders bemerkenswert ist, dass die die Untersuchung von der \u00d6AWI an Prof. Frits Rosendaal und Prof. Katrin Auspurg geschickt worden ist. Bereits im Jahr 2002 hatte Prof. Rosendaal eine <a href=\"https:\/\/www.ntvg.nl\/artikelen\/dwalingen-de-methodologie-slot-xxxix-de-ultieme-waarheid\">Publikation<\/a> mitverfasst, die eine klare anti-hom\u00f6opathische Voreingenommenheit erkennen lie\u00df. Zudem erkl\u00e4rte Prof. Rosendaal in den online ver\u00f6ffentlichten Kommentaren zu dieser Arbeit:<\/p>\n<p>\u201e<em>Unsere Erwartungen an die Hom\u00f6opathie sind gleich null, daher ist Forschung f\u00fcr uns bedeutungslos; schlie\u00dflich kann sie unser Urteil \u00fcber die Wirksamkeit der Hom\u00f6opathie nicht \u00e4ndern<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>\u201e\u2026 <em>es kann keine Wirkung hom\u00f6opathischer Arzneimittel geben<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Auch wenn eine vorgefasste Meinung einen Wissenschaftler nicht grunds\u00e4tzlich daran hindert, sich mit einem Thema zu befassen, stellt eine derart klare und langj\u00e4hrig bestehende Haltung einen potenziellen Interessenkonflikt dar, der h\u00e4tte offengelegt und entsprechend behandelt werden sollte. Dennoch gibt es seitens der \u00d6AWI keinen Hinweis auf eine dieser beiden Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Nach Erhalt des \u00d6AWI-Berichts leitete <em>The Oncologist<\/em> eine eigene, gr\u00fcndliche zweij\u00e4hrige Untersuchung ein. Professor Frass kooperierte vollumf\u00e4nglich mit diesem Verfahren und stellte zus\u00e4tzliche Informationen zur Verf\u00fcgung, um alle Bedenken auszur\u00e4umen. Dies f\u00fchrte zu der Schlussfolgerung der Zeitschrift, dass die Studie weiterhin g\u00fcltig sei.<\/p>\n<p>Eine formelle <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/oncolo\/article\/29\/11\/e1631\/7766098\">Korrektur<\/a> wurde ver\u00f6ffentlicht, um die gegen\u00fcber den Herausgebern vorgebrachten Punkte zu kl\u00e4ren. Darin hei\u00dft es: \u201e\u2026 Zus\u00e4tzliche Details, die in der urspr\u00fcnglichen Ver\u00f6ffentlichung nicht enthalten waren, wurden inzwischen von den Autoren bereitgestellt und von den Herausgebern gepr\u00fcft, um die Bedenken auszur\u00e4umen. Diese Auslassungen haben keinen Einfluss auf die Ergebnisse dieser Studie.\u201c<\/p>\n<p>Angesichts der erh\u00f6hten Aufmerksamkeit rund um diese Studie ver\u00f6ffentlichte <em>The Oncologist<\/em> zudem ein <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/oncolo\/article\/30\/7\/oyae252\/7766099\">Editorial<\/a>, das weitere Einblicke in die Position der Herausgeber gab. Darin wurde auf die Schwierigkeiten hingewiesen, mit denen Forscher bei der Durchf\u00fchrung und Ver\u00f6ffentlichung onkologischer klinischer Studien konfrontiert sind, und die Bedeutung der Ver\u00f6ffentlichung aller Daten betont, unabh\u00e4ngig davon, wie unerwartet die Ergebnisse erscheinen m\u00f6gen, um den Beitr\u00e4gen der Patienten gerecht zu werden.<\/p>\n<p>An diesem Punkt h\u00e4tte die akademische Diskussion abgeschlossen sein sollen, da die Studie zur Zufriedenheit der Fachzeitschrift verteidigt worden war. Dennoch brachten Mitglieder der urspr\u00fcnglichen Anti-Hom\u00f6opathie Kampagnengruppe weitere Beschwerden vor und erzwangen eine erneute <a href=\"https:\/\/pubpeer.com\/publications\/860C64847B75617F85E8DB5F1B6D4D\">Untersuchung<\/a>. Dies f\u00fchrte zu zwei neuen Kritikpunkten (Verwendung individualisierter Hom\u00f6opathie und angeblicher Interessenkonflikt) und letztlich zum R\u00fcckzug der Studie.<\/p>\n<p>ENDE<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 24. November wurde eine klinische Studie von Frass et al. 2020\u00b9, vom Herausgeber der Fachzeitschrift zur\u00fcckgezogen. Die Studie untersuchte hom\u00f6opathische Behandlungen zus\u00e4tzlich zur \u00fcblichen onkologischen Versorgung bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom. 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