{"id":21428,"date":"2022-03-16T15:38:05","date_gmt":"2022-03-16T15:38:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hri-research.org\/?p=21428"},"modified":"2022-03-21T15:32:33","modified_gmt":"2022-03-21T15:32:33","slug":"hri-kommentar-zum-bmj-artikel-ueber-berichtsverzerrung-reporting-bias-von-homoeopathie-studien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hri-research.org\/de\/2022\/03\/hri-kommentar-zum-bmj-artikel-ueber-berichtsverzerrung-reporting-bias-von-homoeopathie-studien\/","title":{"rendered":"HRI-Kommentar zum BMJ*-Artikel \u00fcber Berichtsverzerrung (&#8222;reporting bias&#8220;) von Hom\u00f6opathie-Studien"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine neue Studie zeigt, dass der Grad des Reporting Bias, der zu einer \u00dcbersch\u00e4tzung des Nutzens von Behandlungen f\u00fchren kann, in der Hom\u00f6opathie-Forschung geringer ist, als in der konventionellen medizinischen Forschung.<\/strong><\/p>\n<p>Eine neue Studie von Gartlehner et al.<a href=\"https:\/\/ebm.bmj.com\/content\/early\/2022\/01\/30\/bmjebm-2021-111846\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>1<\/sup><\/a> hebt ein bekanntes Problem hervor, das alle Bereiche der medizinischen Forschung betrifft und als sogenannter Reporting Bias bekannt ist. Dieser kann den Gesamtnachweis f\u00fcr die Wirksamkeit einer medizinischen Behandlung verzerren, wobei der Nutzen in der Regel \u00fcbersch\u00e4tzt wird.<\/p>\n<p>In den Medienberichten \u00fcber diese Studie, in denen behauptet wird, der Nutzen der Hom\u00f6opathie sei &#8222;erheblich \u00fcbersch\u00e4tzt&#8220; worden, wird die Aussage der Autoren nicht erw\u00e4hnt, dass Reporting Bias &#8222;kein auf die Hom\u00f6opathie beschr\u00e4nktes Ph\u00e4nomen&#8220; ist, sondern in allen Bereichen der klinischen Forschung auftritt.<\/p>\n<p>Durch die ausschlie\u00dfliche Konzentration auf die Frage, ob dieses Problem die Evidenzbasis der Hom\u00f6opathie beeintr\u00e4chtigt, hat diese neue Studie jedoch wichtige neue Erkenntnisse geliefert. Sie zeigen, dass der Forschungssektor der Hom\u00f6opathie die konventionelle Medizin in Bezug auf wissenschaftliche und ethische Standards zu \u00fcbertreffen scheint, und zwar durch ein geringeres Ausma\u00df des Reporting Bias.<\/p>\n<p>Zu den wichtigen Beispielen eines Reporting Bias geh\u00f6rt der &#8222;Publikations-Bias&#8220;, d. h. es werden nicht alle Studien ver\u00f6ffentlicht, wobei positive Studien eher ver\u00f6ffentlicht werden als negative Studien. Eine weitere Verzerrung ist die \u00c4nderung des prim\u00e4ren Wirksamkeitsendpunkts (&#8222;primary outcome&#8220;), d. h. welches Symptom\/welche Messung (von mehreren, die w\u00e4hrend einer Studie \u00fcberwacht werden) als wichtigstes &#8222;Ergebnis&#8220; betrachtet werden sollte, um festzustellen, ob das getestete Medikament wirksam ist oder nicht.<\/p>\n<p>Die Autoren stellen fest, dass &#8222;die Nichtver\u00f6ffentlichung von Studienergebnissen und die selektive Ergebnisberichterstattung &#8230;. kein Ph\u00e4nomen ist, das auf die Hom\u00f6opathie beschr\u00e4nkt ist&#8220;: Doch haben sie es vers\u00e4umt, ihre Ergebnisse in einen angemessenen Kontext zu stellen, indem sie keine direkten Vergleiche mit anderen Bereichen der klinischen Forschung anstellten.<\/p>\n<p>Fr\u00fchere Studien, die im BMJ ver\u00f6ffentlicht wurden, befassten sich mit Reporting Bias in allen medizinischen Bereichen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die H\u00e4lfte aller registrierten klinischen Studien<a href=\"https:\/\/www.bmj.com\/content\/362\/bmj.k3218\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>2<\/sup><\/a> in der konventionellen Medizin meldet ihre Ergebnisse nicht innerhalb eines Zeitraums von 12 Monaten, w\u00e4hrend 62% aller registrierten Hom\u00f6opathie-Studien ver\u00f6ffentlicht werden.<\/li>\n<li>Inkonsistenzen in der Berichterstattung \u00fcber den prim\u00e4ren Wirksamkeitsendpunkt<a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/32184303\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>3<\/sup><\/a> treten bei 43% der schulmedizinischen Studien auf, w\u00e4hrend dies nur bei 25 % der ver\u00f6ffentlichten Hom\u00f6opathie-Studien der Fall ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Arbeiten von Dr. Robert Mathie, einem mit dem HRI verbundenen Forscher, wurden als &#8222;wegweisende systematische \u00dcbersichtsarbeiten&#8220;<sup><a href=\"http:\/\/www.systematicreviewsjournal.com\/content\/3\/1\/142\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">4<\/a>,<a href=\"https:\/\/systematicreviewsjournal.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/s13643-017-0445-3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">5<\/a><\/sup> \u00fcber Studien zur Bewertung der Wirkungen hom\u00f6opathischer Behandlungen anerkannt, diese dienten als Ausgangspunkt f\u00fcr die BMJ-Analyse.<\/p>\n<p>Die potenziellen Auswirkungen nicht registrierter\/unver\u00f6ffentlichter Ergebnisse auf die Sch\u00e4tzungen von Behandlungseffekten sind allgemein bekannt<a href=\"https:\/\/www.alltrials.net\/find-out-more\/why-this-matters\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>6<\/sup><\/a>, doch f\u00fcr die Hom\u00f6opathie sind die Auswirkungen Gartlehner et al. zufolge m\u00f6glicherweise minimal oder gar nicht vorhanden: &#8222;Der Unterschied in den Effektgr\u00f6\u00dfen zwischen registrierten und nicht registrierten Studien erreichte keine statistische Signifikanz&#8220;.<\/p>\n<p>Es ist daher \u00fcberraschend, dass die Autoren behaupten, Dr. Mathies bahnbrechende Meta-Analysen &#8222;k\u00f6nnten den tats\u00e4chlichen Behandlungseffekt hom\u00f6opathischer Mittel erheblich \u00fcbersch\u00e4tzen und m\u00fcssen mit Vorsicht interpretiert werden&#8220;. Gl\u00fccklicherweise haben sie ihre Ergebnisse mit dem Wort &#8222;m\u00f6glicherweise&#8220; relativiert, denn eine gr\u00fcndliche Untersuchung ihrer Studie zeigt, dass diese Behauptung durch ihre Daten nicht gest\u00fctzt wird.<\/p>\n<p>Die \u00dcbersichtsarbeiten von Dr. Mathie<a href=\"https:\/\/www.hri-research.org\/resources\/essentialevidence\/clinical-trials-overview\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>7<\/sup><\/a>, die die bisher strengste Zusammenfassung der klinischen Studien zur Hom\u00f6opathie darstellen, sind nach wie vor fundiert: Die Schlussfolgerungen hinsichtlich des Ausma\u00dfes der positiven Wirkungen einer hom\u00f6opathischen Behandlung st\u00fctzen sich ausschlie\u00dflich auf die qualitativ hochwertigsten Studien, die ein geringes Risiko der Verzerrung aufweisen. Da die meisten der nicht registrierten Studien ein hohes Risiko der Verzerrung aufweisen, h\u00e4tten sie die Schlussfolgerungen dieser \u00dcbersichten nicht beeinflusst.<\/p>\n<p>Es wurden zwar Versuche unternommen, diese neue Studie zu nutzen, um die Evidenzbasis der Hom\u00f6opathie zu untergraben, indem eine &#8222;schlechte Forschungspraxis&#8220; behauptet wurde<a href=\"https:\/\/www.bmj.com\/company\/newsroom\/poor-research-practice-suggests-true-impact-of-homeopathy-may-be-substantially-overestimated\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>8<\/sup><\/a>, aber solche Behauptungen sind v\u00f6llig unzutreffend.<\/p>\n<p>Dr. Alexander Tournier, HRI-Exekutivdirektor, erkl\u00e4rt: &#8222;Reporting Bias ist ein bekanntes Problem in allen Bereichen der medizinischen Forschung, daher ist es nicht \u00fcberraschend, dass sie auch in der Hom\u00f6opathie-Forschung auftreten. Das interessanteste Ergebnis dieser neuen Studie, die im &#8218;BMJ Evidence Based Medicine&#8216; ver\u00f6ffentlicht wurde, ist, dass wir jetzt wissen, dass die Hom\u00f6opathie in dieser Hinsicht besser abschneidet als die konventionelle Medizin, mit einem geringeren Ausma\u00df von Reporting Bias.&#8220;<\/p>\n<p>Das HRI setzt sich f\u00fcr die F\u00f6rderung und Unterst\u00fctzung von Forschung auf h\u00f6chstem Niveau ein: Wir unterst\u00fctzen daher alle Bem\u00fchungen, die darauf abzielen, Reporting Bias in der klinischen Forschung zu verringern und hoffentlich zu beseitigen, um die Entscheidungen in der Gesundheitsf\u00fcrsorge genauer zu treffen. In der Zwischenzeit ist es f\u00fcr Patienten, Entscheidungstr\u00e4ger und Wissenschaftler beruhigend zu wissen, dass die klinische Evidenzbasis der Hom\u00f6opathie im Gegensatz zu den Behauptungen dieser Autoren nicht vorsichtiger interpretiert werden muss als jede andere wissenschaftliche Evidenz.<\/p>\n<p>*BMJ: Abk\u00fcrzung f\u00fcr &#8222;British Medical Journal&#8220;<\/p>\n<p><strong>Referenzen<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Gartlehner G et al. Assessing the magnitude of reporting bias in trials of homeopathy: a cross-sectional study and meta-analysis. BMJ Evidence-Based Medicine, 2022; eFirst<\/li>\n<li>Goldacre B et al. Compliance with requirement to report results on the EU Clinical Trials Register: cohort study and web resource. BMJ, 2018;362:k3218<\/li>\n<li>Shah K et al. Outcome reporting bias in Cochrane systematic reviews: a cross-sectional analysis. BMJ Open, 2020;16;10:e032497.<\/li>\n<li>Mathie RT et al. Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis. Systematic Reviews, 2014; 3: 142<\/li>\n<li>Mathie RT et al. Randomised, double-blind, placebo-controlled trials of non-individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis. Systematic Reviews,2017; 6(1):63<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.alltrials.net\/find-out-more\/why-this-matters\/\">All Trials: Why this matters<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.hri-research.org\/de\/informationsquellen\/wichtiges-forschungsmaterial\/klinische-studien-im-ueberblick\/\">HRI Klinische Studien im \u00dcberblick<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.bmj.com\/company\/newsroom\/poor-research-practice-suggests-true-impact-of-homeopathy-may-be-substantially-overestimated\/\">BMJ Newsroom<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong><br \/>\nHinweise f\u00fcr Redakteure<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ebm.bmj.com\/lookup\/doi\/10.1136\/bmjebm-2021-111846\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Forschungsarbeit<\/a>: Assessing the magnitude of reporting bias in trials of homeopathy: a cross-sectional study and meta-analysis 10.1136\/bmjebm-2021-111846<br \/>\nZeitschrift: BMJ Evidence Based Medicine<\/p>\n<p>HRI ist eine in Gro\u00dfbritannien ans\u00e4ssig gemeinn\u00fctzige Organisation und widmet sich der F\u00f6rderung qualitativ hochwertiger Forschung im Bereich der Hom\u00f6opathie auf internationaler Ebene.<\/p>\n<p><strong>Kontakt<\/strong>\u00a0Berlin: Christoph Trapp, Telefon-Berlin 0170 9917 649<\/p>\n<p>E-Mail\u00a0<a href=\"mailto:presse@hri-research.org\">presse@hri-research.org<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/eur03.safelinks.protection.outlook.com\/?url=http%3A%2F%2Fwww.hri-research.org%2F&amp;data=04%7C01%7CKerstin.Schmidt%40dhu.de%7C57c791db97e44e96d12808d9fce75625%7C78be9a508f224c55b8b60fe825069063%7C0%7C0%7C637818892954019051%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJWIjoiMC4wLjAwMDAiLCJQIjoiV2luMzIiLCJBTiI6Ik1haWwiLCJXVCI6Mn0%3D%7C3000&amp;sdata=kIRrcFm3BWzm%2BmdSSLtX%2BexKYsr%2Bx9ZRrcuSKvp4624%3D&amp;reserved=0\">www.hri-research.org<\/a>\u00a0\u2013 Homeopathy Research Institut<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine neue Studie zeigt, dass der Grad des Reporting Bias, der zu einer \u00dcbersch\u00e4tzung des Nutzens von Behandlungen f\u00fchren kann, in der Hom\u00f6opathie-Forschung geringer ist, als in der konventionellen medizinischen Forschung. 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