{"id":13091,"date":"2019-12-19T18:57:51","date_gmt":"2019-12-19T18:57:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hri-research.org\/?page_id=13091"},"modified":"2020-12-07T11:41:31","modified_gmt":"2020-12-07T11:41:31","slug":"der-easac-stellungnahme","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hri-research.org\/de\/informationsquellen\/die-homoopathie-debatte\/der-easac-stellungnahme\/","title":{"rendered":"Der EASAC-Stellungnahme"},"content":{"rendered":"<p>Der European Academies Scientific Advisory Council (EASAC) ver\u00f6ffentlichte 2017 unter dem Titel <a href=\"https:\/\/easac.eu\/fileadmin\/PDF_s\/reports_statements\/EASAC_Homepathy_statement_web_final.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>\u201eHomeopathic products and practices\u201c [Hom\u00f6opathische Arzneimittel und ihre Anwendung]<\/em><\/a>\u201c<sup>1<\/sup> eine Online-Stellungnahme, um \u201e<em>die Kritik an gesundheitlichen und wissenschaftlichen Argumenten gegen hom\u00f6opathische Produkte zu st\u00e4rken<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>In dieser Stellungnahme wird behauptet, dass die klinischen Effekte der Hom\u00f6opathie ausschlie\u00dflich auf einen Placeboeffekt zur\u00fcckzuf\u00fchren seien, da hom\u00f6opathische Arzneimittel keine biologische Wirkung h\u00e4tten. Der EASAC schlie\u00dft mit Empfehlungen f\u00fcr eine Regulierung der Hom\u00f6opathie durch die Zulassungsbeh\u00f6rden der EU und setzt sich f\u00fcr \u201egleiche Wettbewerbsbedingungen\u201c und die Beteiligung der \u00d6ffentlichkeit an der Debatte ein.<\/p>\n<p>Urheber der Stellungnahme war eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedern der European Academy of Sciences, die der Stellungnahme den Anschein wissenschaftlicher Autorit\u00e4t verleiht.<\/p>\n<p>Der EASAC k\u00fcndigte seine Stellungnahme in einer Pressemitteilung an, in der behauptet wurde, dass es sich um eine \u201eneue Bewertung durch den EASAC\u201c<sup>2<\/sup> handele. Kurz darauf folgte ein <a href=\"http:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1111\/joim.12676\/abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kommentar<\/a> im angesehenen Journal of Internal Medicine (JIM).<sup>3<\/sup><\/p>\n<p><span class=\"embed-youtube\" style=\"text-align:center; display: block;\"><iframe loading=\"lazy\" class=\"youtube-player\" width=\"520\" height=\"293\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Dv_HvCToTqU?version=3&#038;rel=1&#038;showsearch=0&#038;showinfo=1&#038;iv_load_policy=1&#038;fs=1&#038;hl=de-DE&#038;autohide=2&#038;wmode=transparent\" allowfullscreen=\"true\" style=\"border:0;\" sandbox=\"allow-scripts allow-same-origin allow-popups allow-presentation allow-popups-to-escape-sandbox\"><\/iframe><\/span><\/p>\n<p>Entgegen allem Anschein ist die EASAC-Stellungnahme jedoch unwissenschaftlich. Es wurde h\u00f6chst selektiv zitiert und stellt die Evidenzbasis zur Hom\u00f6opathie nicht korrekt dar. Daher erf\u00fcllt sie ihre Hauptaufgabe, Verbraucher und politische Entscheidungstr\u00e4ger der EU genau \u00fcber die Nachweise f\u00fcr die Hom\u00f6opathie zu informieren, nicht.<\/p>\n<p>Vertreter des HRI und der Wissenschaftlichen Gesellschaft f\u00fcr Hom\u00f6opathie (WissHom) trafen sich mit EASAC-Pr\u00e4sident Prof. Thierry Courvoisier, um Bedenken \u00fcber die mangelnde Objektivit\u00e4t und mangelnde wissenschaftliche Strenge am Prozess zu bekunden, der zur Ver\u00f6ffentlichung der EASAC-Stellungnahme f\u00fchrte. Seine Antwort lautete: \u201e<em>Es war nie unsere Absicht, eine ausgewogene Stellungnahme zu schreiben<\/em>\u2026\u201c (25 April 2018).<\/p>\n<p>In seiner <a href=\"https:\/\/www.bpi.de\/fileadmin\/user_upload\/Downloads\/Publikationen\/sonstige\/2017-10-23_BPI_Statement_zur_EASC_Veroeffentlichung_deutsch.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">offiziellen Antwort<\/a> hebt der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) hervor, dass diese Stellungnahme von \u201e<em>einer Arbeitsgruppe aus<\/em> <em>11 Wissenschaftlern die als Einzelpersonen handelten<\/em>\u201c, erstellt wurde. Daraus l\u00e4sst sich eindeutig ableiten, dass der EASAC von sich aus entschieden hatte, diese Stellungnahme zu verfassen \u2013 und dass dies nicht im Auftrag der EU oder einem der EU-Mitgliedsstaaten geschah.<\/p>\n<div class=\"highlight-box accent-border\">\n<p><strong>Die Hauptkritikpunkte an der<\/strong><strong> EASAC-Stellungnahme<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Die EASAC-Stellungnahme war nie als ausgewogene Erkl\u00e4rung \u00fcber die Datenlage im Bereich Hom\u00f6opathie gedacht (so der EASAC-Pr\u00e4sident im April 2018) \u2013 sie wurde ausgearbeitet, um \u201e<em>die Kritik an gesundheitlichen und wissenschaftlichen Argumenten gegen hom\u00f6opathische Produkte zu st\u00e4rken<\/em>\u201c.<\/li>\n<li>Sie wurde von einer aus 11 Wissenschaftlern bestehenden Arbeitsgruppe verfasst, die \u201e<em>als Einzelpersonen handelten<\/em>\u201c und offen erkl\u00e4rten, dass sie von der Annahme ausgehen w\u00fcrden, dass es sich bei hom\u00f6opathischen Arzneimitteln um Placebos handele, weil sie keine biologische Wirkung haben k\u00f6nnten, und dass es keine stichhaltigen Forschungsarbeiten gebe, die ihre Verwendung unterst\u00fctzten.<sup>4<\/sup><\/li>\n<li>Sie enth\u00e4lt \u00fcberhaupt nichts Neues: Trotz einer Pressemitteilung, in der behauptet wurde, es handele sich um eine <em>\u201eneue Bewertung des EASAC\u201c<\/em>, waren sich die Autoren einig, dass sie <em>keine<\/em> neue Bewertung oder Analyse durchgef\u00fchrt hatten.<\/li>\n<li>Es handelt sich um eine unwissenschaftliche Zusammenstellung von weitgehend veralteten, herausgepickten negativen Studien sowie Webseiten, Blogs, Stellungnahmen, Kommentaren und Berichten der \u201egrauen Literatur\u201c.<\/li>\n<li>Sie stellt au\u00dfergew\u00f6hnliche und unbelegte Behauptungen auf und l\u00e4sst komplette Bereiche der Evidenzbasis weg. So gibt der EASAC z.\u00a0B. zwar an, dass Hom\u00f6opathen \u201e<em>Arzneimittel empfehlen, von denen sie wissen, dass sie biologisch unwirksam sind<\/em>\u201c<sup>1<\/sup>, f\u00fchrt aber KEINE der ver\u00f6ffentlichten Daten aus Experimenten auf, die biologische Wirkungen hom\u00f6opathischer Medikamente zeigen, z.\u00a0B. in Pflanzenmodellen und immortalisierten Zelllinien.<\/li>\n<li>Es handelt sich um eine inkorrekte Darstellung der Evidenzbasis f\u00fcr die Hom\u00f6opathie, aber eine n\u00fctzliche Zusammenfassung von Argumenten, die von Interessenvertretern der Anti-Hom\u00f6opathie-Bewegung verwendet werden.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<p>Der k\u00fcrzlich verstorbene Dr. Peter Fisher, ein f\u00fchrender Experte sowohl auf dem Gebiet der schulmedizinischen als auch der Hom\u00f6opathieforschung, fasste die EASAC-Stellungnahme in seinem Leitartikel \u201eHomeopathy and intellectual honesty\u201c (Hom\u00f6opathie und intellektuelle Aufrichtigkeit pr\u00e4gnant zusammen:<\/p>\n<p><em>\u201eHom\u00f6opathische Arzneimittel und ihre Anwendung\u201c <\/em><em>versucht nicht, eine transparente, objektive oder wissenschaftliche Sicht der Hom\u00f6opathie zu vermitteln. Dies kommt einem Autorit\u00e4tsmissbrauch durch die European Academies of Science gleich. Das Motto der britischen Royal Society, einem EASAC-Mitglied, lautet \u201aNullius in verba\u2018 und bedeutet \u201aNimm niemanden beim Wort\u2018. Die Leser der Stellungnahme sollten diesen Rat beherzigen.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df seiner Webseite besteht die Aufgabe des EASAC darin, unabh\u00e4ngige wissenschaftsbasierte Empfehlungen zu liefern; aber im Hinblick auf die Hom\u00f6opathie sollte \u2018unabh\u00e4ngig\u2019 nicht mit \u2018objektiv\u2019 verwechselt werden.<\/p>\n<p>Detaillierte Informationen, einschlie\u00dflich der Ergebnisse aus dem entsprechenden Dialog zwischen HRI und EASAC, finden sich in der <a href=\"https:\/\/www.hri-research.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Analyse-der-EASAC-Stellungnahme-2017.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Analyse des EASAC-Stellungnahme durch das HRI<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#\" class=\"expand-content button accent-bg\" id=\"69f7036b34b0e\"><span class=\"expand-content-more\">Referenzen<\/span><span class=\"expand-content-less\">Weniger<\/span><\/a><\/p><div class=\"collapse-content\" id=\"panel-69f7036b34b0e\">\n<ol>\n<li>EASAC. \u2018Homeopathic Products and Practices \u2013 Assessing the Evidence and Ensuring Consistency in Regulating Medical Claims in the EU\u2019. 20 September 2017 [<a href=\"https:\/\/easac.eu\/publications\/details\/homeopathic-products-and-practices\/\">Volltext<\/a>]<\/li>\n<li>EASAC. Homeopathy: harmful or helpful? European scientists recommend an evidence-based approach. Press release 20 September 2017. [<a href=\"https:\/\/easac.eu\/press-releases\/details\/homeopathy-harmful-or-helpful-european-scientists-recommend-an-evidence-based-approach\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link]<\/a><\/li>\n<li>Fears R, et al. Assessing and regulating homeopathic products. <em>Journal of Internal Medicine<\/em>, 2017; <strong>282<\/strong>:563-565<\/li>\n<li>Call for experts: EASAC working group homeopathy. 14 June 2016. [<a href=\"https:\/\/www.ria.ie\/news\/membership-policy-and-international-relations\/call-experts-easac-working-group-homeopathy\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Link<\/a>]<\/li>\n<li>Fisher P. Homeopathy and intellectual honesty. <em style=\"font-family: -apple-system, BlinkMacSystemFont, 'Segoe UI', Roboto, Oxygen-Sans, Ubuntu, Cantarell, 'Helvetica Neue', sans-serif;\">Homeopathy, <\/em>2017; <strong>106<\/strong>:191-193 [<a href=\"https:\/\/www.thieme-connect.com\/products\/ejournals\/abstract\/10.1016\/j.homp.2017.10.001\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Abstract<\/a>]<\/li>\n<\/ol>\n<\/div><!-- de -->\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der European Academies Scientific Advisory Council (EASAC) ver\u00f6ffentlichte 2017 unter dem Titel \u201eHomeopathic products and practices\u201c [Hom\u00f6opathische Arzneimittel und ihre Anwendung]\u201c1 eine Online-Stellungnahme, um \u201edie Kritik an gesundheitlichen und wissenschaftlichen Argumenten gegen hom\u00f6opathische Produkte zu st\u00e4rken\u201c. 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