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Klinische Studien im Überblick

Systematische Reviews klinischer Homöopathiestudien

Die jüngsten und robustesten Daten zur Wirksamkeit der Homöopathie liefert eine Metaanalyse von 2014, die alle placebokontrolliert, doppelblind und randomisiert durchgeführten Studien mit individualisierter homöopathischer Verschreibung untersuchte. Diese stellte fest, dass die Wirkung homöopathischer Arzneimittel im Vergleich zu Placebo bei individualisierter Verordnung eineinhalb bis zweimal wahrscheinlicher ist.1

In der Vergangenheit war es üblich, systematische Übersichtsartikeln zu erstellen, die alle klinischen Studien gemeinsam analysierten, in denen homöopathische Arzneimittel verordnet wurden, unabhängig von der Indikation und der Art des homöopathischen Behandlungsansatzes. (siehe Reviews 1991-2005).

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Im Zuge einer individualisierten homöopathischen Behandlung wird ein auf den Patienten maßgeschneidertes Arzneimittel verordnet auf Basis eines ausführlichen Gesprächs mit einem homöopathischen Arzt (ähnlich einem Besuch bei Ihrem Hausarzt / Facharzt). Diese Behandlung unterscheidet sich stark von der nicht-individualisierten Homöopathie, bei der alle Patienten bei gleicher Indikation dasselbe homöopathische Arzneimittel verordnet bekommen, normalerweise ein in der Apotheke frei erhältliches Arzneimittel, das mehrere homöopathische Inhaltsstoffe enthält, ein sogenanntes homöopathisches Komplexmittel.

Der nächste Schritt der Homöopathieforschung wird darin bestehen, weitere klinische Studien zu spezifischen Erkrankungen durchzuführen, so dass ausreichend klinische Daten vorliegen, um endgültige Schlussfolgerungen darüber zu ziehen, wie wirksam die Homöopathie bei bestimmten Erkrankungen ist.

Die systematischen Übersichtsartikel von Dr. Mathie bringen uns mehrere Schritte voran, um die Evidenzbasis der Homöopathie zu klären, da die bisher vorliegenden klinischen Homöopathiestudien sowohl getrennt nach Art der Behandlung (individualisierte Behandlung durch einen Homöopathen oder nicht individualisierte Homöopathie) als auch getrennt nach anderen Studiencharakteristika wie etwa der Art der gewählten Kontrollen untersucht werden.

Wie Dr. Mathie zusammenfassend erklärt, zeigen seine Reviewartikel ein „eindeutig positives Ergebnis“ zugunsten der Homöopathie.

Zusammenfassung des systematischen Überprüfungsprogramms von Dr. Mathie

Individualisierte homöopathische Behandlung

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die beiden systematischen Übersichtarbeiten zur individualisierten homöopathischen Behandlung1,2 die genaueste und aktuellste Bewertung der Schlüsselfrage „Funktioniert die Homöopathie, wenn sie von einem ausgebildeten Arzt als Standardbehandlung verschrieben wird?“ beantwortet. Die Antwort lautet eindeutig „Ja“. Die Daten zeigen, dass individualisierte Homöopathie einen Effekt jenseits von Placebo hat.

Nichte Individualisierte homöopathische Behandlung

Die Evidenz für die nicht individualisierte  homöopathische Behandlung erweist sich als vielversprechend, aber weniger eindeutig im Vergleich zur individualisierten Verordnung. Die Analyse von 54 placebokontrollierten Studien zeigte einen geringen positiven Effekt pro Homöopathie im Vergleich zu Placebo (SMD -0,33; 95% CI -0,44 bis -0,21)3, der der Sensitivitätsanalyse teilweise standhielt und in 16 von 18 Unteranalysen positiv blieb.

Weitere Forschung ist erforderlich, um die aktuelle Evidenzbasis klinischer Homöopathiestudien zu bestätigen und zu erweitern. Diese systematischen Reviews und Metaanalysen von Dr. Mathie und seinen Kollegen konnten vielversprechende Bereiche aufzeigen, auf die sich die zukünftige Forschung konzentrieren sollte, um Entscheidungsträgern und Patienten das Potenzial der Homöopathie aufzeigen zu können.

Es ist anzumerken, dass keine der Übersichten von Dr. Mathie in die NHMRC Homöopathie-Übersicht von 2015 aufgenommen wurde, da die Studie nur Veröffentlichungen enthielt, die bis 2013 publiziert wurden und Mathies Artikel erst danach veröffentlicht wurden. Es ist jedoch schwer zu verstehen, warum in der Stellungnahme der EASAC zur Homöopathie von 2017 die Metaanalyse der individualisierten Homöopathie von Dr. Mathie aus dem Jahr 2014 nicht erwähnt wird, gerade weil sie extrem relevante Resultate enthält.

Dr. Robert Mathie präsentiert seine Ergebnisse zur individualisierten Homöopathie auf der HRI Malta 2017 Konferenz:

Ältere systematische Reviewartikel (1991-2005)

Bis 2005 wurden 5 umfassende systematische Reviews zur Homöopathie durchgeführt. Alle beinhalteten eine Metaanalyse klinischer Studien, die sämtliche erdenklichen homöopathischen Behandlungsansätze sowie alle medizinischen Indikationen einschlossen.5

  • Vier der Reviews zeigten ein positives Resultat, was darauf hindeutet, dass es Hinweise für eine Wirkung der Homöopathie jenseits einer reinen Placebowirkung gibt. Um zu endgültigen Schlussfolgerungen zu gelangen, wären jedoch genauere Forschungsergebnisse erforderlich.5-8
  • Nur einer der Reviews kam zu einem negativen Resultat und schlussfolgerte, dass die Homöopathie über Placebo hinaus keine Wirkung hat.9

Alle diese Übersichtsarbeiten sind inzwischen veraltet. Die älteste von Kleijnen et al. wurde vor 31 Jahren5 und die jüngste von Shang et al.9 vor 17 Jahre publiziert.

Kritisch anzumerken ist, dass die einzig negative Studie von Shang et al. Von 2005 diejenige ist, die am häufigsten in Anti-Homöopathie-Veröffentlichungen zitiert wird (wie z.B. in der EASAC-Erklärung von 2017), obwohl hier nur Daten bis 2003 erfasst wurden, die Schlussfolgerungen der Autoren der bis dahin vorliegenden Evidenz widersprachen und oftmals ernsthafte Zweifel an deren wissenschaftlicher Zuverlässigkeit geäußert wurden.

Systematische Übersichtsarbeiten klinischer Studien ohne Metaanalyse

Der aktuellste Überblick über klinische Studien – der australische NHMRC-Bericht10 – wurde im Jahr 2015 veröffentlicht. Diese Studie umfasst einzelne klinische Studien bis 2010 (erfasst in systematischen Reviews, die bis zum 3. Januar 2013 veröffentlicht wurden) und kategorisiert die Studien nach der medizinischen Indikation. Der NHMRC-Bericht stieß auf internationale Kritik wegen seiner beispiellosen und unwissenschaftlichen Methodik. Der Ombudsmann des Commonwealth untersucht gerade, inwieweit es sich bei der Erstellung des Berichts des NHMRC um wissenschaftliches Fehlverhalten handelt.

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  • Kleijnen et al. 1991: Aktuell fallen die Nachweise für klinische Studien zwar positiv aus. Diese genügen allerdings nicht, um endgültige Schlussfolgerungen zu ziehen, da zum einen die methodische Qualität der meisten Studien eher gering ist und zum anderen nicht klar ist, ob der Publikationsprozess vorurteilsfrei ablief.“5
  • Linde et al. 1997: „Die Ergebnisse unserer Meta-Analyse stimmen nicht mit der Hypothese überein, dass klinische Effekte einer homöopathischen Behandlung ausschließlich auf einen Placebo-Effekt zurückzuführen seien. Denn wir haben nicht ausreichende Nachweise aus diesen Studien gewonnen, dass die Homöopathie bei jeglicher klinischen Einzelverfassung eindeutig wirksam ist. Entsprechende weitere gründliche und systematische Untersuchungen sind erforderlich.“ 6
  • Linde et al. 1999: Wir folgern, dass sich bei den untersuchten Studien herauskristallisiert hat, dass Studien von höherer methodischer Qualität tendenziell weniger positive Ergebnisse erzielten.“7
  • Cucherat et al. 2000: ‘Es gibt gewisse Belege dafür, dass homöopathische Behandlungen wirksamer sind als die Behandlung mit einem Placebo. Die Aussagekraft dieser Belege ist allerdings aufgrund der niedrigen methodischen Qualität der Studien eher gering. Studien von hoher methodischer Qualität tendierten eher dazu, negative Ergebnisse zu generieren als Studien von geringerer Qualität. Weitere methodisch hochwertige Studien sind erforderlich, um die Ergebnisse zu bestätigen.8
  • Shang et al. 2005: Trends treten sowohl in placebokontrollierten homöopathischen Studien als auch in placebokontrollierten schulmedizinischen Studien auf. Berücksichtigte man diese in der Analyse, zeigte sich ein schwacher Beleg für die spezifische Wirkung homöopathischer Präparate, aber ein starker Beleg für die spezifischen Wirkungen schulmedizinischer Maßnahmen. Dieser Befund stimmt mit der Auffassung überein, dass klinische Wirkungen der Homöopathie auf Placeboeffekte zurückzuführen sind.9

ReferenzenWeniger

  1. Mathie RT et al. Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis. Systematic Reviews, 2014; 3: 142
 | Volltext
  2. Mathie RT et al. Systematic Review and Meta-Analysis of Randomised, Other-than-Placebo Controlled, Trials of Individualised Homeopathic Treatment. Homeopathy, 2018; 107(4): 229-243 |Volltext
  3. Mathie RT et al. Randomised, double-blind, placebo-controlled trials of non-individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis. Systematic Reviews, 2017; 6(1):63 | Volltext
  4. Mathie RT et al.Systematic Review and Meta-Analysis of Randomised, Other-than-Placebo Controlled, Trials of Non-Individualised Homeopathic Treatment. Homeopathy, 2019; eFirst | Abstract
  5. Kleijnen, J., Knipschild, P. & ter Riet, G. Clinical trials of homeopathy. BMJ, 1991; 302: 960 | PubMed
  6. Linde, K. et al. Are the clinical effects of homeopathy placebo effects? A meta-analysis of placebo-controlled trials. Lancet, 1997; 350:834–843 | PubMed
  7. Linde, K. et al. Impact of study quality on outcome in placebo-controlled trials of homeopathy. J. Clin. Epidemiol., 1999; 52: 631–636 | PubMed
  8. Cucherat, M., Haugh, M. C., Gooch, M. & Boissel, J. P. Evidence of clinical efficacy of homeopathy. A meta-analysis of clinical trials. HMRAG. Homeopathic Medicines Research Advisory Group. Eur. J. Clin. Pharmacol., 2000; 56: 27–33 | PubMed
  9. Shang A, Huwiler-Muntener K, Nartey L, et al. Are the clinical effects of homeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homeopathy and allopathy. Lancet, 2005; 366: 726–732 | PubMed
  10. Australian National Health and Medical Research Council (NHMRC) 2015 Homeopathy Review | Link

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