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„Homöopathie ist eine Verschwendung von Steuergeldern“

Einige sind der Ansicht, dass Steuergelder nicht für Homöopathie ausgegeben werden sollten, da „es keinen Beweis dafür gibt, dass sie wirkt“ bzw. „Steuergelder nicht für Placebos ausgegeben werden sollten“.

Wieviel wird für Homöopathie ausgegeben?

Sehen wir uns die Lage in Großbritannien an:

  • Vom Jahreshaushalt des NHS für Medikamente über £11 Mrd. entfallen £152.000 (0,0013 %) auf homöopathische Rezepte.1 
  • Vom gesamten Jahreshaushalt des NHS über £100 Mrd. entfallen £4 Mio. (0,004 %) auf Homöopathie.2

Diese £4 Mio. decken die gesamten Leistungen ab, angefangen von dem Unterhaltung von Krankenhausabteilungen bis zu den Gehältern von Ärzten. Der Homöopathie-Service des NHS stellt etwa 40.000 homöopathische Rezepte pro Jahr aus.2 Unter Berücksichtigung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses sollte man bedenken, dass diese Patienten von anderen NHS-Abteilungen mit wesentlich teureren herkömmlichen Medikamenten behandelt werden müssten, wenn ihnen keine homöopathischen Mittel verabreicht würden.

Faktenbasierte Entscheidungsfindung

Manche behaupten, dass der NHS für Homöopathie nicht aufkommen sollte, weil deren Wirkung „wissenschaftlich nicht erwiesen“ sei, wogegen schulmedizinische Medikamente „bewährt“ seien. Überraschenderweise ist diese Behauptung faktisch nicht so eindeutig, wie es auf Anhieb scheinen mag.

So hat beispielsweise die Forschung nun eindeutig bestätigt, dass SSRI-Antidepressiva wie etwa Prozac bei leichter und mittelschwerer Depression keine bessere Wirkung als Placebo zeigen.3 Dennoch gab das NHS in 2006 ca. £150 Mio. für SSRI aus (Schätzwert basierend auf den Gesamtausgaben von £300 Mio. für Rezepte über Antidepressiva im Jahr 2006, von denen die Hälfte auf SSRI entfielen).4

Ein Artikel im renommierten British Medical Journal (BMJ) 5, der sich mit der wissenschaftlichen Faktenlage zu den Behandlungen durch das NHS befasst, stellte fest, dass 46 % von 2.500 häufig eingesetzten NHS-Behandlungen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit unbekannt sind und bei nur 13 % Gewissheit besteht, dass sie wirksam sind:

Diese Daten belegen eindeutig, dass das NHS für viele Behandlungen neben der Homöopathie aufkommt, deren Evidenz immer noch unklar ist. Dennoch herrscht der Eindruck vor, dass Entscheidungen in der Medizin aufgrund von Fakten getroffen werden. Folgender Artikel behauptet jedoch: „Die Daten legen nahe, dass […] die meisten Entscheidungen für Behandlungen nach wie vor auf dem subjektiven Ermessen von Medizinern und Patienten beruhen.“ 5

Welche  Belege gibt es, dass die Homöopathie den NHS-Patienten hilft?

Vier seit 1999 durchgeführte und veröffentlichte Beobachtungsstudien haben die Ergebnisse der Patienten nachverfolgt, die in homöopathischen NHS-Krankenhäusern behandelt wurden. Diese Studien zeigen übereinstimmend, dass sich der klinische Zustand der Patienten nach der homöopathischen Behandlung (oft chronische, schwer zu behandelnde Erkrankungen) bessert; einige zeigen auch mögliche wirtschaftliche Vorteile aufgrund der geringeren Verschreibung herkömmlicher Medikamente auf. Hier einige Beispiele:

Die größte Studie, durchgeführt am Bristol Homeopathic Hospital, verfolgte während eines sechsjährigen Beobachtungszeitraumes den Verlauf von über 6.500 verschiedenen Patienten mit über 23.000 Krankenhausbesuchen.6 70 % der nachverfolgten Patienten vermeldeten einen besseren Gesundheitszustand, 50 % eine erhebliche Besserung.

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Die am häufigsten betroffenen Fachgebiete waren Dermatologie, Neurologie, Rheumatologie, Gastroenterologie, Psychiatrie und HNO. Die deutlichsten Besserungen wurden bei kindlichen Ekzemen sowie Asthma bei Kindern, bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Reizdarmsyndrom, Wechseljahrsbeschwerden und Migräne festgestellt.

Eine Untersuchung mit 500 Patienten am Royal London Homeopathic Hospital konnte zeigen, dass viele Patienten im Zuge der homöopathischen Behandlung ihre schulmedizinische Medikation reduzieren oder gar absetzen konnten.7

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Das Ausmaß der Besserung fiel je nach Diagnose unterschiedlich aus. Im Falle von Hauterkrankungen berichteten 72 % der Patienten, dass sie ihre herkömmlichen schulmedizinischen Medikamente reduzieren oder sogar absetzen konnten. Die Studie zeigte auch, dass sich viele Patienten der Homöopathie zuwenden aufgrund ihrer Sorgen um die Verträglichkeit der schulmedizinischen Behandlung.

Bei der Beurteilung dieser klinischen Ergebnisse ist es wichtig zu bedenken, dass NHS-Patienten üblicherweise an die Homöopathie weiterverwiesen werden, weil die Schulmedizin keine zufriedenstellenden Ergebnisse erreichen konnte oder eine schulmedizinische Behandlung im konkreten Fall kontraindiziert ist. Hier ist nun die Frage berechtigt: Wer würde, stünde dieser Homöopathie-Service nicht zur Verfügung, diese Menschen stattdessen behandeln? Wie ethisch ist es, Leistungen, die gegenwärtig von den Patienten geschätzt werden, einzustellen, ohne in der Lage zu sein, eine brauchbare alternative Behandlung anbieten zu können?

Interessante Forschung aus Frankreich

Die Homöopathie ist in Frankreich weit verbreitet. Eine große Studie, in der 8559 Patienten aus Hausarztpraxen rekrutiert wurden, diente der Bewertung der Wirksamkeit homöopathischer Behandlungen.8

Das EPI3-Projekt kam dabei zu zwei zentralen Ergebnissen:

  • Infektionen der oberen Atemwege (URTIs) – Patienten, die von homöopathisch ausgebildeten Hausärzten behandelt wurden, zeigten einen genauso guten klinischen Verlauf wie jene, die schulmedizinisch behandelt wurden, verbrauchten aber weniger herkömmliche schulmedizinische Medikamente.9

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    Von insgesamt 518 Erwachsenen und Kindern mit URTI, hatten die Patienten, die homöopathisch ausgebildete Hausärzte aufgesucht hatten (N=150), ähnliche klinische Ergebnisse wie jene, die von schulmedizinischen Hausärzten behandelt wurden, verbrauchten aber deutlich weniger Antibiotika (OR=0,43, CI: 0,27–0,68) und fiebersenkende/entzündungshemmende Medikamente (OR=0,54, 95% CI: 0,38–0,76).
  • Musculoskeletale Erkrankungen (MSD) – Patienten,  die homöopathisch behandelt wurden, zeigten einen genauso guten klinischen Verlauf wie die schulmedizinisch behandelten Patienten, verbrauchten aber nur halb so viele nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAIDs) und hatten weniger NSAID-assoziierte Nebenwirkungen.10

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    1153 Patienten mit Beschwerden des Bewegungsapparates wurden für 12 Monate nachverfolgt.  Dabei wurden folgende Gruppen miteinander verglichen: eine Gruppe erhielt homöopathische Medikamente (N=371), eine Gruppe schulmedizinische Medikamente (CM; N=272), eine dritte Gruppe erhielt einen kombinierten Ansatz aus Homöopathie und Schulmedizin. Die zwölfmonatige Entwicklung spezifischer funktionaler Werte zeigte sich bei allen Gruppen identisch (p>0,05). Nach Adjustierung mittels Propensity Score betrug die Benutzung von NSAIDs nach 12 Monaten in der Homöopathie-Gruppe (OR=0,54; 95% CI, 0,38-0.78) fast die Hälfte des Werts verglichen mit der CM-Gruppe; in der Gruppe mit kombinierter Therapie wurde kein statistisch signifikanter Unterschied festgestellt (OR=0,81; 95% CI: 0,59-1,15). Die von homöopathischen Ärzten behandelten MSD-Patienten zeigten bei geringerer NSAID-Exposition einen ähnlich guten klinischen Verlauf wie Patienten in der CM-Behandlungsgruppe, wobei erstere weniger unerwünschte Nebenwirkungen durch NSAID aufwiesen ohne jegliche therapeutische Einbußen für den Patienten.

Ist diese Studie zuverlässig?

Die „EPI3-Studie“ wird von LA-SER durchgeführt, einem britischen Unternehmen, das auf wissenschaftliche Evidenz in der Medizin und in Gesundheitstechnologien spezialisiert ist (http://www.la-ser.com/). Dem Projektteam gehören Mitarbeiter hoch renommierter Institutionen an wie etwa das Institut Pasteur in Paris, die Universität in Bordeaux und die McGill University in Montreal; Lucien Abenhaim ist der französische Generaldirektor für Gesundheit.

QuellenWeniger

  1. Science and Technology Committee ‘Evidence Check 2: Homeopathy‘ HC 45
  2. Freedom of Information Act request to the Department of Health by the Faculty of Homeopathy. Cost was £11.89 million between 2005 and 2008.
  3. Kirsch I, Deacon BJ, Huedo-Medina TB, Scoboria A, Moore TJ, et al. Initial Severity and Antidepressant Benefits: A Meta-Analysis of Data Submitted to the Food and Drug Administration. PLoS Med, 2008; 5(2): e45
  4. www.dailymail.co.uk, Anti-depressants taken by thousands of Brits ‚do NOT work‘, major new study reveals. By Fiona McRae, 26 February 2008
  5. Garrow JS. What to do about CAM: How much of orthodox medicine is evidence based? BMJ., 2007; 335: 951 | Abstract
  6. Spence D, Thompson E A, Barron S J. Homeopathic treatment for chronic disease: a 6-year university-hospital outpatient observational study. J Altern Complement Med, 2005; 5: 793-798 | PubMed
  7. Sharples F, van Haselen R, Fisher P. NHS patients‘ perspective on
    complementary medicine. Complement Ther Med, 2003; 11: 243-248 | PubMed
  8. Grimaldi-Bensouda, L. et al. Benchmarking the burden of 100 diseases: results of a nationwide representative survey within general practices. BMJ Open, 2011; 1, e000215 | Full text
  9. Grimaldi-Bensouda, L. et al. Management of upper respiratory tract infections by different medical practices, including homeopathy, and consumption of antibiotics in primary care: the EPI3 cohort study in France 2007-2008. PLoS One, 2014;9: e89990 | Full text
  10. Rossignol, M. et al. Impact of physician preferences for homeopathic or conventional medicines on patients with musculoskeletal disorders: results from the EPI3-MSD cohort. Pharmacoepidemiol. Drug Saf, 2012; 21: 1093–1101 | PubMed 

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